Dorit Linke, Berliner Autorin

Jenseits der blauen Grenze und Fett Kohle

Tag: Schreibworkshop

„Schule in der Diktatur“ – Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung

Dieses Projekt richtet sich an Rostocker Schülerinnen und Schüler der 8. Klassenstufe. Bündnispartner sind der Friedrich-Bödecker-Kreis, das Kempowski Archiv Rostock und das Literaturhaus Rostock.

Rostocker Schulen können Schreib-Werkstatttage mit Lesungen, Stadtrundgängen und Textarbeit wahrnehmen. Es werden Romane des bekannten Rostocker Autors Walter Kempowski und mein Roman „Jenseits der blauen Grenze“ betrachtet. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Diktatur des Dritten Reichs und die der DDR auf Schulalltag und Sprache ausgewirkt haben.

Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten typische Merkmale einer diktatorischen Sprache und untersuchen Texte, welche die Lebenswelten der DDR bzw. die des Dritten Reichs darstellen. Sie sollen nach diesen Werkstatttagen in der Lage sein, die Sprache einer Diktatur von der Sprache einer Demokratie zu unterscheiden. Außerdem werden sie die Bedeutung von Zeitzeugenberichten erkennen und für ein tolerantes Miteinander sensibilisiert.

Sie sind interessiert und haben Fragen? Sie kennen eine Schulklasse, die für dieses Projekt in Frage käme?
Hier: https://diktatur-in-der-schule.de/ finden Sie ausführliche Informationen zum Projekt und die Kontakte zum Literaturhaus Rostock und zum Kempowski-Archiv. Sie können mich natürlich auch gern direkt anschreiben: info@dorit-linke.de

“PEGIDA” Gunter Lampe. Poetry Slam im Bürgergarten Stralsund

Poetry Slam, Bürgergarten Stralsund, 24. Mai 2019
Im Rahmen der „Woche der Sprache und des Lesens 2019“

Von Gunter Lampe
Der Text ist in dem Heft ” Andacht eines Nichtrauchers” 2018 im mueckenschweinverlag erschienen

PEGIDA

Pegida 
beginnt im Kopf
und ist: ” Gegen die da!”

Heute gegen Islamisten
morgen gegen Buddhisten,
dann trifft es Christen
und Co.
Und Juden sowieso.
Es wird nur anders heißen!

Pegida 
beginnt im Kopf
und ist: ” Gegen die da!”

Heute gegen “schwarzen Moder”,
morgen gegen “rotes Geloder”,
gegen alle links von der Oder.
Dasselbe
trifft dann auch zu auf “Gelbe”.
Es wird nur anders heißen!

Pegida 
beginnt im Kopf
und ist: ” Gegen die da!”

Trotz patriotischer Euroetüden
gegen die Arbeitsmüden
aus dem sonnigen Süden,
die nonkonform
leben wider der Norm.
Es wird nur anders heißen!

Pegida 
beginnt im Kopf
und ist: ” Gegen die da!”

Heute gegen die Punkerhose,
morgen gegen Arbeitslose,
gegen die neue “Weiße Rose”.
Scheuklappenblind
gegen alle, die anders sind!
Es wird nur anders heißen!

Pegida 
beginnt im Kopf
und ist: ” Gegen die da!”

Heute gegen bunte Erscheinung,
morgen gegen andere Meinung.
Bis hin zur Holocaustverneinung
ein Schritt.
Machen Sie mit?
Es wird nur anders heißen!

Pegida 
beginnt im Kopf
und ist: ” Gegen die da!”

Aus “Sorge” geboren,
kaum ausgegoren,
die Haare geschoren,
braun angehaucht
und eiskalt missbraucht.
Es wird nur anders heißen!

Pegida 
beginnt im Kopf
und ist: ” Gegen die da!”

Gegen jeden der sich widersetzt,
der sich gegen Dummheit vernetzt.
Gegen dich selber zuletzt,
trotz drehen und winden.
Ein Grund wird sich finden!

Pegida 
beginnt im Kopf…

“Wohin gehst du?” Constanze Budde. Poetry Slam im Bürgergarten Stralsund

Poetry Slam, Bürgergarten Stralsund, 24. Mai 2019
Im Rahmen der „Woche der Sprache und des Lesens 2019“

Von Constanze Budde, Greifswald

Wohin gehst du?

Die Entscheidung ist gefallen.
Er muss – auch wenn er nicht will.
Kein Zurück.

Aber doch, nur einmal noch
Dreht er sich um und kniet an ihrem Bett
„Schlaf, meine Prinzessin, träume von einem neuen Morgen.“
Ein letzter Kuss für seine Frau, nun muss er aber wirklich.
Er steht schon an dem Rest der Tür,
da steht sie plötzlich da, mit großen schwarzen Augen.
„Papa, wohin gehst du?“

In ein neues Morgen,
ohne Angst und ohne Sorgen.
Das könnt‘ er sagen, doch er schweigt
Er schweigt, denn das neue Morgen ist bis auf weiteres ein Morgen ohne sie.
Und wo dieses Morgen liegt, das weiß er nicht, versteht sie nicht.
Er schweigt, weil man, wenn man die Zähne zusammenbeißen muss, nicht gut reden kann.

Die Entscheidung ist gefallen.

Er muss – auch wenn er nicht will.
Kein Zurück.
Aber doch, nur einmal noch

Schaut er hinaus und sieht die Heimat in Ruinen
„Bis bald, meine Prinzessin, hoffentlich in einem neuen Morgen.“
Wie gut, dass sie nicht hier ist, sie würd’s nicht überleben.
Er steht auf dem maroden Deck,
und fragt sich ängstlich insgeheim, mit großen schwarzen Augen.
„Papa, wohin gehst du?“

In ein neues Morgen,
ohne Angst und ohne Sorgen.
Das könnt‘ er sagen, doch er schweigt
Er schweigt, denn ein neuer Morgen ist in dieser Nussschale mehr als fraglich.
Und ob es dieses Morgen gibt, das weiß er nicht, erhofft er sich.Er schweigt, weil man, wenn man den Mund aufmacht, Wasser schluckt und ertrinkt.

Die Entscheidung ist gefallen.
Er muss – auch wenn er nicht mehr kann.
Kein Zurück.

Aber doch, nur einmal noch
Sieht er voraus und ergreift die rettende Hand des Andern
„Erstmal sicher, Fremder, wie es weitergeht, das seh’n wir morgen.“
Vielleicht ist’s das, was der gesagt hat, er kann ihn nicht verstehen.
Er liegt auf engem Lagerplatz,
und Fragen sieht er überall, in tausend fremden Augen.
„Fremder, wohin gehst du?“

In ein neues Morgen,
ohne Angst und ohne Sorgen.
Das könnt‘ er sagen, doch er schweigt
Er schweigt, denn er ist zu müde, um dieses Mantra zu wiederholen
Und was dieses Morgen bringt, das weiß er nicht, sagt man ihm nicht.
Er schweigt, weil auf dem Feldbett neben ihm, ein Kind Ruhe braucht zum Schlafen.

Auf ein Morgen hat er gehofft
Auf morgen wird er vertröstet.
Er wollte doch nur ein neues Morgen, nicht gleich so viele.
Angst und Sorgen sind nicht weg, sie sehen hier nur anders aus.
Das Morgen machen andere, es nimmt schon seinen Lauf,
deshalb muss er durchhalten. Nicht aufgeben.
Vielleicht ist er ja kurz vorm Ziel.

Die Entscheidung ist gefallen.
Er muss – auch wenn es hart ist.
Kein Zurück.

Aber doch, endlich doch
Wird er gerufen und soll erzählen, von seiner Heimat.
„Auf Wiedersehen, Sie erhalten von uns Bescheid.“
Man hat gefragt, wie schwer es ist, er schildert alles ehrlich.
Der saß auf einem Lederstuhl,
schaute bedauernd aber freundlich, aus großen blauen Augen.
„Fremder, wovon träumst du?“
Er saß auf der anderen Seite,
die Hoffnung nicht verborgen, hat er das Echo noch vor Augen.
„Papa, wohin gehst du?“

In ein neues Morgen,
ohne Angst und ohne Sorgen.
Das könnt‘ er sagen, doch er schweigt
Er schweigt, denn das neue Morgen ist noch immer so weit weg und offenbar nicht hier.
Und  wenn dieses Morgen werden soll, erfährt er‘s nicht, integriert‘s sie nicht.
Er schweigt, weil  es für Sehnsucht und Heimweh keine Worte gibt.

Die Entscheidung ist gefallen.
Er muss – auch wenn er nicht will.

Kein Zurück.

„Der 88 der das denkt“ Jesse. Poetry Slam im Bürgergarten Stralsund

Poetry Slam, Bürgergarten Stralsund, 24. Mai 2019
Im Rahmen der „Woche der Sprache und des Lesens 2019“

Von Jesse, 14 Jahre

Der 88 der das denkt

Das Denken anderer Leute von heute
ist schon verrückt!
Und keine Frage solch ein Denken erdrückt.
Soviel Unwissenheit 
und vom vermeintlich Richtigen so unglaublich weit
(entfernt)

Trotzdem unbegreiflich, 
Warum dieses Dumme und Schlechte
Denken so vielen so stark schmeichelt.
Ja, solch ein Denken ist schon verzwickt
und keine Frage, mit Fallen gespickt.
Aber was denken denn dieses Leute von heute?

Ja wenn wir uns mal eine Demo von denen ansehen, kann man schon sagen: “Eine wilde Meute!”
Aber was denken denn diese Leute von heute?

Ich kann euch sagen was sie denken:
“Macht die Grenzen dicht!”
“Ausländer sind Terroristen!”
“Homosexuelle, sind spezielle Fälle, sind alle gestört,
(keiner von denen der hier hingehört)”
“Wir sind zurecht empört!”

Die “Terroristen” müssen raus, 
zurück ins bombadierte, schon fast eingestürzte Haus.
“Macht die Grenzen dicht,
Schicht für Schicht,
einen Stacheldrahtzaun,
nicht zu vergessen: Die Ausländer klaun!”

Ihr merkt selber was ich laber,
was ich fasel, ist inhaltsloser Wahnsinn.
Aber
meine lieben Freunde, 
wir dürfen nicht verzagen,
und ja ich weiß, dieses Denken dieser Leute
ist nun wirklich nicht mehr zu ertragen.

Mit diesen Leuten ist es schwer zu diskutieren.
Manchmal wünscht ich, ihr Denken, ihre Ideologie, ihren Glauben,
den sie so oft versuchen zu kaschieren.
ihnen zu nehmen, zu rauben.
Sie davon zu befrein,
doch sie sagen immer wieder: “NEIN!”

Und dann lauf ich durch die Gegend,
in der Hoffnung schon fast flehend,
dass die Plakate von heute, mal mehr Inhalt bieten,
mal etwas gehaltvolles,
(nichts gewaltvolles)

Und da sehe ich sie, ich blinke mit den Augen
ist das echt, (ist das wahr)
oder sind wir bei “Versteckte Kamera”.

Ich komme zum Ergebnis es ist rechts äh echt
und schon echt geschwind
ist es die Hoffnung, die ich vor einer Minute noch wahrte,
die da zerinnt.

Rechtsradikal 
und wenn ich mal so kurz überlege
hat mir irgendjemand,
irgendwann mal gesagt:
“Das ist nicht phänomenal!”

Und wenn ich mal so überlege,
(Gerade vor der großen Wahl)
wieviele sagen:
“88” (macht sich) und ist eine schöne Zahl!

NEIN!  
Solch ein Denken ist unheimlich gefährlich.
Gehirnwäsche pur. Solche Leute bräuchten eine Kur
Ohne Zweifel! Ehrlich!

Das Denken dieser Leute von heute
und immer wenn ich überlege,
was der Grund für dieses Denken ist,
Ich suche ihn besser als Miss Marpel und Sherlock zusammen,
ich finde ihn nicht…
Den Grund für dieses Denken, dieser Leute von heute….

Dieses Denken ist nicht klug….
aber nun ist es genug.

Genug den Moralapostel gespielt,
fassen sie sich an ihre eigene Nase
und überlegen Sie: “Was denke ich aktuell,
ganz visuell,
richtig orginell
vielleicht auch nur punktuell
und wenn es ganz hart auf hart kommt auch schon kriminell.

Was denken Sie?

Aber was denken diese Leute von heute in unserer Wahrnehmung
was Falsches, aber machen sie sich eine eigene Meinung,
aber denken Sie dran, jederverlangt:
“Es muss die richtige sein!”

Danke!

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