Dorit Linke, Berliner Autorin

Jenseits der blauen Grenze und Fett Kohle

Category: Page 1 of 4

Arbeits- und Recherchestipendium

Es ist absolut toll, dass ich für die Fortsetzung von “Jenseits der blauen Grenze” ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats erhalte. Nun kann ich einige Monate lang an meinem Lieblingsprojekt weiterarbeiten, recherchieren und feilen.

Es wird eine Reise in die frühen 90er Jahre sein, die in meine Heimatstadt Rostock, in westdeutsche Städte und hoch in den Norden Europas führen wird.

Zur Einstimmung einige tolle Fotos, aufgenommen 1990 von meinem Rostocker Lieblingsfotografen Roland Hartig.

Foto: Roland Hartig 1990
Foto: Roland Hartig 1990
Foto: Roland Hartig 1990
Foto: Roland Hartig 1990
Foto: Roland Hartig 1990
Foto: Roland Hartig 1990
Foto: Roland Hartig 1990

Frischer irischer Wind in Mecklenburg

“Elektrische Fische” von Susan Kreller

Eben noch tut das Gelesene weh, nimmt die Luft, und im nächsten Moment blitzt dieser Humor durch, manchmal subtil, manchmal direkt, immer liebevoll. Susan Kreller ist ihren Protagonisten zugewandt, nimmt sie ernst und behandelt sie mit Respekt. Und sie kann dabei verdammt gut schreiben. Um ehrlich zu sein: es gibt wenige Jugendbuchautor*innen, die so verdammt gut schreiben können wie Susan Kreller.

„Elektrische Fische“ ist ein berührendes und kluges Jugendbuch, das sich wichtigen Fragen junger Menschen stellt. Wann gehöre ich dazu? Wie kann ich mich zugehörig fühlen, wenn die neue Welt fremd und unverständlich ist, ich nicht über mein Leben und Wohl entscheiden kann?

Die Handlung setzt ein in einem ziemlich hoffnungslosen und öden Kaff in Mecklenburg. Doch der trostlose Ort gewinnt unter dem Blick eines Mädchens, das in Irland groß geworden ist und nun mitsamt seinen Geschwistern in die alte Heimat der Mutter ziehen muss, nach und nach an Farbe, wird lebendig und bunt – und mit ihm seine Bewohner. Ganz langsam wird das Heimweh von Emma, die nichts anderes als zurück nach Dublin will, milder, weicht auf, verschwindet manchmal sogar. Und irgendwann, wenn der Wind der Ostsee weicher, irischer wird, tut sich ein Schimmer von Hoffnung am Horizont auf.

Im Grunde ahnt man bereits auf den ersten Romanseiten, dass es genauso kommen wird, kann sich dies aber beim besten Willen nicht vorstellen. Doch Susan Kreller schreibt einfach an gegen diese innere Stimme, die „bloß weg da“ ruft, sanft, beharrlich und mitunter sehr komisch. Trotz der schmerzenden Trostlosigkeit, der Emma und ihre Geschwister in der Fremde und durch die Entwurzelung ausgesetzt sind, weiß man sie dennoch beschützt in diesem großen Ganzen, das die Autorin für sie erschafft. Und das ist auch nötig, denn die Herausforderungen, welche die jungen Menschen hier bewältigen müssen, scheinen oft übermächtig. Das Heimweh ist brachial bis zur Sprachlosigkeit, in der Schule läuft es nicht, die Älteren haben ihre eigenen Probleme, so wie das eben ist. Emma: „Mir fallen die Wörter ein, die ich heute Nachmittag gelernt habe, Kekskuchenwörter und Mutterwörter, ich denke: Kalter Hund, Essengeldturnschuhe, schizophrene Psychose.“

Und so braucht Emma eine Weile, wieder Boden zu bekommen, sich zu öffnen und Zukunft versuchen zu wollen. Dabei hilft ihr der Mecklenburger Junge Levin und die zwischen ihnen aufkeimende Liebe. Auch Levin ist getrieben und belastet, hat eine psychisch kranke Mutter, will Emma aber dabei helfen, zurück nach Irland zu flüchten, obwohl sie ihm in der eigenen Verlorenheit gut tut und genau das ist, was er schon lange nötig hat.

Bestechend ist die raffinierte Perspektive, dieser irische Blick auf Ostdeutschland und auf all die Absurditäten, die durch die andere Kultur, den anderen Alltag, die andere Sprache entstehen. Das entspannt die Angelegenheit ungemein, schafft eine wichtige Distanz und damit letztlich wieder Nähe. Emma schaut aber nicht „nur“ auf ein anderes Land, sondern auch auf ein anderes System, das zwar vergangen, aber in seinen Auswirkungen noch immer spürbar ist. Und so wird es komisch und auch doppelbödig, wenn Emma am ersten Schultag fragt, wer denn Thälmann war (ausgelöst durch eine Straße, die so heißt) und dann selber raten soll. Ein Graf vielleicht? Und dafür ein ruppiges deutsches „Falsch!“ erntet.

Meisterhaft webt Susan Kreller auf diese Art die DDR und die Erfahrungen ihrer Menschen in die Emanzipationsgeschichte von Emma hinein, mit einem überraschenden Effekt. Es scheint, als wäre dieser weiter entfernte Blick und der größere Kontext durchaus geeignet, sich dieser Welt anzunähern.

Mit „Elektrische Fische“ erzählt Susan Kreller eine wahrhaftige Geschichte vom Erwachsenwerden und davon, dass Zugehörigkeit oder „Heimat“ oder „home“ ein Prozess ist, der gern lange andauern kann – insofern er so menschlich und offen angeschaut wird wie in diesem wunderbaren Roman.

Erschienen im Carlsen Verlag

Interview mit Australien

Meine Arbeit hat es anlässlich des 30. Jubiläums des Mauerfalls ans andere Ende der Welt geschafft, und zwar ins australische SBS Radio, das sich an Australier*innen mit nicht englischsprachigem Hintergrund richtet, in dem konkreten Fall an die in Australien lebende deutschsprachige Community.

Herzlichen Dank an Eva Murer. Sie hat mir auf der Frankfurter Buchmesse spannende Fragen zur Friedlichen Revolution der DDR und zur heutigen Situation in Ostdeutschland gestellt. Hört hier doch mal rein.

Dazu passt dann auch gut, dass “Jenseits der blauen Grenze” 2020 in englischer Sprache erscheinen wird.

Rezension in der Süddeutschen

Die Süddeutsche Zeitung am 4.11.2019 in der Rubrik “Politisches Kinder- und Jugendbuch zu “Wir sehen uns im Westen”.

“… und es gelingt ihr, Zeitgeschichte authentisch und ungemein lebendig an ihre jungen Leserinnen und Leser zu vermitteln.” Hilde Elisabeth Menzel

Vollständige Rezension hier
Treffpunkt Neptunbrunnen. Von Hilde Elisabeth Menzel, Süddeutsche Zeitung

Die Friedliche Revolution in Rostock

Der Fotograf Roland Hartig hat im Herbst 1989 mutig und beherzt die Friedliche Revolution in Rostock fotografiert und dokumentiert.

Anfangs waren die Demonstranten aus Angst oder Unsicherheit nicht davon begeistert, dass jemand Fotos von ihnen anfertigte. Immer wieder hörte man Rufe wie “keine Fotos” oder “keine Stasi”. Man rechnete eher damit, von der Staatssicherheit überwacht zu werden als mit einem privaten Fotografen, der die historische Dimension begriff und festhalten wollte. Wie gut, dass sich Roland Hartig nicht von seinem Vorhaben hat abbringen lassen.

Entstanden ist eine einzigartige Chronik der damaligen Ereignisse in meiner Heimatstadt. Dafür sage ich – nach 30 Jahren – herzlich Danke!

Die Erklärungen zu den Fotos hat er ebenfalls verfasst.

Weitere Fotos folgen in den kommenden Tagen. Du möchtest darüber informiert bleiben? Dann bitte hier entlang.

Foto und Text: Roland Hartig, Rostock

Das Spruchband „Zutrauen zur Zukunft – Neues Forum“ und der Schmetterling „Gewaltfrei für Demokratie“ sind die Erkennungszeichen der Donnerstagsdemonstrationen im Herbst 1989 in Rostock. Dabei trägt Stephan Mahlburg den bunten Butterfly stets voran, den er in der Tischlerei Riebe erschaffen hat. Heute schmückt das Werk sein Büro, von wo er als Sozialrichter agiert. Eine Kopie befindet sich in der Dokumentations- und Gedenkstätte in der ehemaligen U-Haft der Stasi in Rostock.

Foto und Text: Roland Hartig, Rostock

Am 12. Oktober 1989 wird die zweite Fürbittandacht in Rostock auf Grund des großen Zulaufs von etwa 3000 Bürgerinnen und Bürgern in die Marienkirche verlegt. Vor der Kirche formiert sich eine Mahnwache.

Foto und Text: Roland Hartig, Rostock

Die friedliche Revolution in Rostock 1989, die neben den Demo-Hochburgen Leipzig und Berlin auch hier von den Kirchen ausging, nahm Anfang Oktober 1989 an Fahrt auf. So beginnt in der Rostocker Petrikirche am 5. Oktober um 20 Uhr die erste Fürbittandacht für inhaftierte Leipziger Demonstranten. Mehr als 500 Menschen kommen. Die Umweltgruppe der Petri-Nikolai-Gemeinde hat die Andacht initiiert. Zudem wird in den Rostocker Kirchen ein Schreiben mit dem Titel „Aufbruch 89 – Neues Forum“ verteilt. 

Foto und Text: Roland Hartig, Rostock

Nach dem Donnerstagsgottesdienst am 19. Oktober 1989 formiert sich die erste „Donnerstagsdemo“ ausgehend von der Marienkirche und Petrikirche mit mehreren tausend Teilnehmern. Die Beteiligung an den Demonstrationen wächst von Woche zu Woche.

Foto und Text: Roland Hartig, Rostock

Die Marienkirche entwickelt sich zum Zentrum der Herbstbewegung in Rostock. Am 19. Oktober 1989 fanden erstmals Andachten in mehreren Kirchen statt. Sie stehen unter dem Motto: „Gottesdienst für gesellschaftliche Veränderungen“. Pastor Joachim Gauck hält in der Marienkirche eine Predigt, Stadtjugendpfarrer Jochen Schmachtel verliest die entsprechende in der Petrikirche. 

Foto und Text: Roland Hartig, Rostock

Auch das Spruchband „Rostock – gewaltfrei für demokratische Zukunft“ manifestiert das Ziel der Herbstbewegung. 

Foto und Text: Roland Hartig, Rostock

Das Neue Forum – im Herbst 89 die politische Hauptkraft der DDR Reformbewegung – fordert nicht nur Freie Wahlen. Auch die Zulassung von demokratischen Parteien, Reisefreiheit, Pressefreiheit und die Abschaffung der „Diktatur des Proletariats“ standen auf dem Forderungskatalog der oppositionellen Bewegung. 

Foto und Text: Roland Hartig, Rostock

„Mit einem Pass kauft Ihr uns nicht“ – Faktisch traut hier keiner mehr den SED-Oberen, die mit dem Wink der Reisefreiheit die DDR retten wollen. Das kommt bei zahlreichen Bürgern nicht mehr an, die bereits auf Pro deutsche Einheit eingestellt sind. 

Foto und Text: Roland Hartig, Rostock

November und Dezember 1989: Demonstranten stellen immer wieder Kerzen vor dem Rathaus (Foto), Haus der Armee und vor dem Gebäude der MfS-Bezirksverwaltung in der August-Bebel-Straße auf. Stets in friedlicher Absicht, ganz im Sinne von gewaltfrei für Demokratie.

Weitere Informationen zu Roland Hartig und seiner Arbeit findet ihr hier: http://www.rostock-1989.de/

Lesung, Theater, Gespräch – Am 9. November 2019

Noch keine Pläne für den 30. Jahrestag des Mauerfalls?

Ich hätte da einen Tipp. Und zwar lese ich am 9. November 2019 um 17 Uhr am Theater der Altmark in Stendal aus meinem neuen Roman “Wir sehen uns im Westen”.

Danach gibt es das Theaterstück “Jenseits der blauen Grenze”, das ganz toll umgesetzt wurde und euch begeistern wird, und im Anschluss daran folgt dann auch noch ein Publikumsgespräch mit mir zum Stück.

Kommt rum, es gibt noch Karten (den Link zu den Tickets findet ihr weiter unten) und übernachtet doch einfach in Stendal. Ich geb an diesem bunten Abend dann auch einen aus. Im Hotel später dann Kissenschlacht 🙂

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

Zu den Tickets geht es hier lang.

Du möchtest informiert bleiben? Dann bitte hier entlang.

Als Theaterstück ins Klassenzimmer – “Jenseits der blauen Grenze”

In der heutigen Ausgabe der Ostseezeitung (21.10.2019) wird über die Premiere von “Jenseits der blauen Grenze” an der Vorpommerschen Landesbühne Anklam berichtet.

Das Stück kann von Schulen direkt ins eigene Klassenzimmer geholt werden. Wenn ihr also Jugendliche kennt, die in Mecklenburg oder Vorpommern zur Schule gehen, dann lasst es sie doch bitte wissen. Danke!

Das Stück ist für alle Schulformen ab der 8. Klasse verfügbar.

Was auf die Ohren?

Hier gibt es einen Radio-Bericht im NDR-Kulturjournal vom 21.10.2019 von Juliane Voigt

Informationen vom Theater zum Ablauf und zur Buchung
Ansprechpartner: Theaterpädagoge der Vorpommerschen Landesbühne: Tobias Koralus, Tel.: 038231 – 77 51 02 theaterpaedagogik(at)vorpommersche-landesbuehne.de

Spieltermine sind ab Oktober 2019 möglich
Wir spielen in Ihrem Klassenzimmer gerne auch in der Schulaula
Spielfläche 5 x 5 m
Zuschauerbegrenzung: max. 120 Gäste
Die Aufführung dauert ca. 60 Minuten.
An die Aufführung schließt sich auf Anfrage ein Nachgespräch über die Inszenierung an.
Wir benötigen eine Garderobe / Vorbereitungsraum für 2 Schauspieler
Einen normalen Stromanschluss 230 Volt
Wir benötigen 60 Minuten Vorbereitungszeit

Barbara Elisabeth Bühl als Hanna
Fiete Drahs als Andreas
Spielfassung von Julia Korrek
Regie Rike Reiniger
Regieassistenz Andreas Zimmerling

Du möchtest informiert bleiben? Dann bitte hier entlang.

Kinder- und Jugendliteratur über die DDR

“Jenseits der blauen Grenze” hat es 5 Jahre nach Erscheinen tatsächlich in “Die Zeit” geschafft – dank der großartigen Autorenkollegin Susan Kreller. Ich freue mich riesig über diese Wertschätzung.

Susan Kreller in “Die Zeit” vom 2. Oktober 2019

“Auf dem Mifa-Rad zum Ostseestrand” ist ein sehr lesenswerter und kluger Artikel über die Kinder- und Jugendliteratur der vergangenen Jahre zum Thema DDR.

Du möchtest informiert bleiben? Dann bitte hier entlang.

Dorit Linke auf der Frankfurter Buchmesse

Anlässlich des Jubiläums “30 Jahre Mauerfall”

Falls ihr auf der Messe seid und noch nüscht vorhabt: Kommt rum, ich freue mich auf euch. Ahoi.

Lesung und Gespräch auf der Buchmesse mit Dirk Kummer, Susan Schädlich, Dorit Linke

Die drei Autor*innen sprechen über ihre unterschiedlichen Umsetzungen des Themas und lesen aus ihren Büchern

Wann: Samstag, 19.10.2019
von 13.30 Uhr bis 14.30 Uhr
Ort: Lesezelt (Agora)

Weitere Informationen

Du möchtest informiert bleiben? Dann bitte hier entlang.

“Wer Nazis war, bestimmen wir”

Rassismus und Rechtsextremismus sind ein tief liegendes Phänomen des Ostens und nicht Folge der Wiedervereinigung, wie oft und fahrlässig erzählt wird. Sie müssen daher auch nicht als Systemkritik überinterpretiert werden, sondern als das benannt werden, was sie sind: Rassismus und Rechtsextremismus.

Hier ein erhellender Beitrag zum Thema: Die DDR und ihre Neonazis: Real existierender Rechtsextremismus, Beitrag im Deutschlandfunk von Sabine Adler

Auszug:
Die DDR hatte sowohl ein Neonazi-Problem als auch eines mit Alt-Nazis, erkannte die Buch- und Filmautorin Freya Klier, die in ihrem Umfeld von immer mehr Personen mit einer braunen Vergangenheit erfuhr. Im Gegensatz zur offiziellen Lesart: “Alle Nazis waren im Westen und wir waren auf der Seite der sowjetischen Befreier. Dann lernte ich die ersten Freunde kennen, die mir still mitteilten, dass ihr Vater eigentlich Lehrer war und davor in der NSDAP. Der hatte es dann zu einer großen Parteikarriere in der DDR geschafft. Die Polizei wurde übernommen, also Mittelbau, Unterbau komplett. Es spielte dann schon bald keine Rolle mehr, wer was war vorher. Dann ging immer der Spruch rum: Wer Nazis war, bestimmen wir.“

Hier geht zum Beitrag des Deutschlandfunk

Du möchtest informiert bleiben? Dann bitte hier entlang.

Page 1 of 4

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen