Dorit Linke, Autorin

Wissen, Werte und Bildung in Zeiten der Digitalisierung

Kategorie: Digitale Leseförderung Seite 1 von 2

Die Plattform onleli – Wissensvermittlung im Unterricht

Katharina Lifson und ich von METIS e.V. reden über die Plattform Onleli, die ich Anfang 2020 gegründet habe. Hört und schaut doch mal rein.

Onleli ist die übergeordnete und verlagsunabhängige Plattform für Live-Onlinelesungen im Schulunterricht oder außerschulisch – von professionellen Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum, vornehmlich Jugendbuchautoren.

Die Autorinnen und Autoren von onleli bieten Live-Online-Lesungen aus ihren jeweiligen Büchern und Fachgespräche für den Unterricht an. Sie berühren lehrplanrelevante, aber auch gesellschaftspolitisch wichtige Themen und lassen dabei ihr wertvolles und über Jahre erarbeitetes Fachwissen einfließen.

Katharina Lifson widmet sich seit 2015 über verschiedene Vereine der kulturellen Bildung und setzt Projekte zur digitalen Leseförderung um.

Informationen zu unserer Arbeit findet ihr auch hier:
https://metis-in-mv.de/

Digital Schnick Schnack

Wie sieht es aktuell mit digitalisierten Lernprozessen, Leseförderung und digitaler Medienbildung aus?

Der Verein METIS ist mit seinen Projekten immer sehr konkret. Das bedeutet, dass wir in unseren Kursen über das gemeinsame Lesen von Jugendbüchern die Lesekompetenz stärken und gleichzeitig Fotos, Filme oder kleine Texte produzieren, bis hin zu Kostümen und Requisiten für unser Online Theater.

Wir wollen mit diesem Beitrag die Digitalisierung im Bereich Bildung und Kultur mal mit etwas Abstand betrachten. Dazu habe ich die Medienpädagogin und Vorstandsvorsitzende von METIS e.V., Katharina Lifson, interviewt.

Katharina ist seit Anfang des Jahres bei METIS, doch bereits seit 2015 widmet sie sich über verschiedene Vereine der kulturellen Bildung und setzt Projekte zur digitalen Leseförderung um.

Dazu kommt ein wichtiger und konkreter Blickwinkel: seit 2018 ist sie wieder Studentin und steht kurz vor dem Staatsexamen für das Lehramt am Gymnasium in Deutsch und Geschichte.

Informationen zu unserer Arbeit findet ihr hier: https://metis-in-mv.de/

Achtung! Verschwörung!

Krisen führen zu kruden Verschwörungstheorien, das zeigt ein Blick in die Menschheitsgeschichte genauso wie die aktuelle Corona-Krise. Wir Autorinnen und Autoren schreiben spannende Bücher für Kinder und Jugendliche und haben dabei auch einen bildungspolitischen Anspruch.

Nicht immer erkennen junge Menschen Verschwörungstheorien. Viele holen sich ihr „Wissen“ aus zweifelhaften Quellen, sind anfällig für propagierte „einfache Lösungen“ und absurde Schuldzuweisungen. Das ist gefährlich, denn es führt neben Fehlinformation zur Ausgrenzung anderer Menschen und zu einem inhumanen „Wir-Gegen-Euch“ Denken.

Was dagegen hilft? Bildung, Spaß am Denken und Freude am Erarbeiten von Zusammenhängen, aber auch die Einsicht, dass Lernen ein Prozess ist, der uns alle ein Leben lang begleiten sollte. Literatur kann Schülerinnen und Schüler dazu befähigen. Wir #onleli Autorinnen und Autoren kommen mit Büchern, Wissen und Erfahrungen in die Klassenzimmer.

Für Autoren: Das eigene Onlinelesungskonzept

Das Konzept einer Lesung vor Ort lässt sich nicht auf Onlinelesungen übertragen, da Literatur– und Inhaltsvermittlung digital anders funktioniert als analog. Die junge Generation muss jedoch digital und im Sinne der Leseförderung erreicht werden.

Für viele Autor*innen ist das Onlineformat Neuland. Ich biete Schulungen an, unterstütze bei der Konzeptentwicklung als auch bei inhaltlichen, technischen oder strategischen Fragen.

Welche Medien und Bausteine ermöglichen die gewünschte Interaktivität und bestmögliche Wissensvermittlung? Die Antworten sind oft allgemeingültig, müssen aber für die unterschiedlichen Bücher und Inhalte immer wieder neu gefunden werden.

In Einzelschulungen, online oder telefonisch, führe ich an das Thema heran.

Ziel: Erstellung eines transparenten und leicht umsetzbaren Onlinelesungskonzepts, das Ihren Inhalten und Strategien entspricht und somit auf Ihre zukünftigen Bücher übertragen werden kann.

Kosten insgesamt: 480 Euro zzgl. Mehrwertsteuer.

Bei Interesse kontaktieren Sie mich bitte per Mail oder schlagen unverbindlich über den Button „jetzt Termin vereinbaren“ einen ebensolchen vor. Vielen Dank für das Interesse.

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work in progress

onleli – Plattform von Autoren

Wer meine Arbeit kennt, weiß, dass ich im vergangenen Jahr etliche Onlinelesungen und Fachgespräche an Schulen und Bibliotheken mit meinen Büchern durchgeführt habe. Auch in diesem Jahr finden diese monatlich statt.

„Werden diese Lesungen denn auch bezahlt?“, fragen jetzt sicherlich einige Autoren. Ja, werden sie – den aktuellen Standards des Schriftstellerverbandes entsprechend.

2019 habe ich mich gefragt, was passieren würde, wenn externe Dritte das Onlinelesungsformat übernehmen würden. Ich wollte schneller sein (also Igel, nicht Hase) und habe eine bundesweite und verlagsunabhängige Plattform ins Leben gerufen, die Autoren und Schulen zusammenbringt – für lehrplanbezogene Onlinelesungen im Unterricht, mit klaren Qualitätsstandards für Autoren als auch für Anfragende, die eingehalten werden müssen.

Das Kind heißt onleli (steht für Online_Lesung_Live) und hat eine eigene Webseite

Es gab in der letzten Zeit viele Diskussionen um dieses Format und Abwehr aus Unkenntnis oder fehlender Gewohnheit. Die Befürchtung, dass Onlinelesungen kein Geld für Autoren bringen werden oder regionale Literaturförderung aufgrund der Präsenz globaler Streamingdienste gefährdet ist, tritt ein, wenn wir uns nicht dem digitalen Wandel stellen.

Suchen wir also nicht immer das Haar in der Suppe, sondern schaffen wir selbst die nötige digitale Infrastruktur, mit klar definierten Bedingungen, an die wir uns halten. Überlassen wir das nicht jenen, die sich eben gerade nicht Literaturförderung oder politische Bildung auf die Fahnen schreiben, sondern Gewinnmaximierung.

facebook bringt in Kürze eine App heraus, die es Künstlern ermöglicht, bezahlte Online-Events durchzuführen. Wo landen dann wohl die Autorenhonorare angesichts des aktuellen Streamingpreiskampfes? Rhetorische Frage.

Wer von euch Autoren und Sympathisanten auch das Gefühl hat, eine übergeordnete, verlagsunabhängige Gemeinschaftsplattform mit klar definierten Qualitätsstandards für Onlinelesungen könnte irgendwie der richtige Weg in die Zukunft sein, der teilt bitte diese Info.

https://onleli.de/

Auf Sicht fahren – Geht’s noch?

Eine Haltung prägte die letzten Jahrzehnte der Buchbranche: „Wir versuchen es auf unsere Art, so lange es eben geht. Und wenn es nicht mehr geht, dann übernehmen die, die es können.“ Mit dieser innovationsfeindlichen Verhaltensweise wurde dem Neoliberalismus Tür und Tor geöffnet. Und er hat mittlerweile übernommen. Eine steile These? Schauen wir uns mal die aktuelle Wirklichkeit an.

Wie oft habe ich den vergangenen Wochen von Autoren, die nicht „nur“ zwei, drei Bücher (immerhin!), sondern weit mehr veröffentlicht haben, gehört: „Ohne Lesungen kann ich nicht weitermachen“.  Die letzte gute, konventionelle, mehr oder weniger regelmäßige Einnahmequelle ist derzeit versiegt. Ob, wann und wie sie wieder zu sprudeln anfangen wird, steht in den Sternen. Doch davon hängt für hauptberufliche Autoren nun fast alles ab.

Untervergütung, Dumpingpreise, Flatrates, eine desaströse digitale Verwertung zwingen Autoren schon lange in die Knie. Bücher lohnen sich nicht für die, die sie schreiben, zumindest nicht finanziell. Das ist nichts Neues, das wissen Verlage, Lektoren, Vertriebler, Buchhändler, Agenten seit Jahren. „Der Markt gibt nicht mehr her“, ist das Totschlagargument seit Jahren. Diesem Mantra hat man sich ausgeliefert, es akzeptiert, weil es irgendwie funktioniert hat. Bis jetzt.

Das Buchbranchenkartenhaus droht zusammenzukrachen, so wie andere Kartenhäuser unserer Gesellschaft auch. Buchhandlungen sind geschlossen, der mächtigste Onlinehändler liefert vorzugsweise andere Waren aus, geplante Neuerscheinungen werden verschoben, Veranstaltungen fallen aus, die Absagen reichen aktuell bis in den Herbst hinein.

Ein Großteil der Autoren sieht in Zeiten von Corona nun kein Land mehr. Einfache Wahrheit: Die am Anfang der Verwertungskette stehen, springen als erste über die Klinge, Ausnahmen gibt es immer. Systemrelevanz wird nicht wertgeschätzt, das ist die simple, systemimmanente Wahrheit. Zu Recht regen sich die Leute in den sozialen Diensten über das Balkongeklatsche auf, so nett es auch gemeint ist. Immerhin können wir Autoren weiterschreiben, das zumindest bleibt. Und so gesehen sind wir mit dieser Kernkompetenz ganz am Ende dann doch wieder vorn, insofern wir durchhalten und noch Bock auf all das haben.

In den letzten Tagen haben wir häufig die Formulierung aus der Buchbranche gehört, man müsse jetzt „auf Sicht fahren“ – in Zeiten der Digitalisierung ist dies das größte, ärgerlichste Armutszeugnis überhaupt, es ist verantwortungslos den Wertschöpfenden gegenüber, doch die Formulierung beschreibt gut den Zustand, der seit Jahren beharrlich verteidigt wird. Also weiter auf Sicht fahren.

Gleichzeitig sehen wir aber auch, wie schnell es gehen kann mit den neuen Ideen (die so neu nicht sind). Etliche Schulen führen rasant digitale Formate und Konferenzsoftware ein. Datenschutz?  Ist doch jetzt egal! Plötzlich scheint einiges möglich, plötzlich ist da ein Pioniergeist, ein „Über-den-Tellerrand-Schauen“, eine trotz allem vorwärtsdrängende Stimmung. Ich wünschte, wir hätten dies in ruhigen Zeiten getan, hätten achtsam und mit der nötigen Besonnenheit umstrukturiert, hätten Abwehr gegen das Unbekannte ersetzt durch Neugier auf das Neue. Eine vernünftige Abwägung von Innovationsdruck, Sicherheit und Werten hätte längst stattfinden und auch umgesetzt werden müssen.

Doch hätte hätte muss nun vorerst zuhause bleiben.

Ich schreibe derweil weiter.

Gründung von METIS e.V.

„Wenn die Welt untergeht, so ziehe ich nach Mecklenburg, denn dort geschieht alles 50 Jahre später.“ Diesen Satz soll Bismarck mal gesagt haben. Das Zitat ist umstritten – und stimmt ohnehin nicht.

In Mecklenburg-Vorpommern wurden und werden digitale Vermittlungskonzepte für Unterricht und Freizeit umgesetzt, über deren grundsätzliche Bedeutung aus aktuellem Anlass gerade aufgeregt diskutiert wird.

Ich freue mich und bin stolz darauf, Gründungs- und Vorstandsmitglied von METIS e.V. und damit Teil eines anhaltend aufregenden Prozesses zu sein.

Mit meiner Mitstreiterin Katharina Lifson, Dozentin für medienpädagogische Vermittlungskonzepte, habe ich in den vergangenen Wochen so einiges gerockt: Wir haben am Konzept gearbeitet, die Webseite von METIS e.V. gebaut, Förderanträge geschrieben.

Alles war von langer Hand geplant, die intensive und lösungsorientierte Vorarbeit war geleistet und erreichte mit unserer Vereinsgründung einen ersten Höhepunkt im Januar 2020 und mit der Coronakrise im März 2020 dann eine drängende Bedeutung.

Auch vorher schon haben wir uns von Widerständen und Vorurteilen nicht beirren lassen und sind immer von der Notwendigkeit der Nutzung und Implementierung digitaler Formate in Bildung und Leseförderung überzeugt gewesen. Wir haben Diskussionen über das „Wie“ geführt, haben viele Bedenken ausgeräumt und uns auch der vorurteilsbehafteten und konservativen Diskussion um das „Ob“ gestellt. Zumindest letztere ist spätestens mit den aktuellen und gravierenden Veränderungen unserer Gesellschaft obsolet geworden.

Nun schauen wir auf erprobte digitale Konzepte, auf eine nachhaltige Infrastruktur, wertevermittelnde Inhalte und wichtige Kooperationspartner. Die notwendige Finanzierung steht: Unsere Formate werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Deutschen Bibliotheksverband gefördert.

Bereits diesen April starten wir mit unseren Online-Kursen, Online-Lesungen und vierwöchigen Web-Seminaren. Wir schreiben Romane um zu Drehbüchern mit dem Ziel einer Instagram-Inszenierung.

Neben Leseförderung und Medienpädagogik haben wir uns vieles auf die Fahnen geschrieben, vor allem aber das: Spaß an der Literatur, Spaß an Ideen und Innovation, Respekt vor der vielfältigen Lebenswelt junger Menschen – und Verantwortung im Sinne eines kreativen und bewussten Umgangs mit digitalen und sozialen Medien.

Schaut vorbei! Wir freuen uns auf euch.
Und wir freuen uns, wenn ihr diese Info teilt.
Ahoi aus Mecklenburg-Vorpommern.

Schreibtisch statt Leipzig

Da die Leipziger Buchmesse und meine Lesungen nun leider ausfallen, kommt jetzt ein kurzer Werbeblock:

Ihr könnt mich für eine interaktive Onlinelesung mit anschließendem Gespräch buchen, und zwar hier:

https://schullesung-online.de/

Wir sehen uns! Ahoi.

Im Test: Online-Lesungen und Online-Fachinterviews für Schulen

Vom Schreibtisch ins Klassenzimmer
Oder: Der Blick über den Tellerrand

In den letzten Monaten habe ich mit Schulklassen diverse Online-Lesungen und Online-Fachvorträge für den fächerübergreifenden Schulunterricht durchgeführt. Themen waren DDR, Diktatur und Friedliche Revolution, Basis dafür meine Jugendromane „Jenseits der blauen Grenze“ und „Wir sehen uns im Westen“. Daneben unterhielten wir uns auch über Schreibprozesse und den Alltag von Autorinnen und Autoren.

Das neue Konzept bestätigt, was meine langjährige Arbeit an Schulen bereits gezeigt hat: Lehrinhalte werden über die Zeitzeugenarbeit lebendiger und fassbarer für die junge Generation.

Daneben machen aktuelle gesellschaftliche Prozesse und die mitunter fahrlässigen Aussagen der Politik deutlich, dass eine korrekte Geschichtsvermittlung im Zusammenhang mit der DDR-Diktatur notwendig ist, damit junge Menschen diese historisch fundiert einordnen können. Mit der Digitalisierung bietet sich die Chance, neue Wege für eine gute politische Bildung der nachfolgenden Generationen zu beschreiten.

Dorit Linke – Onlinelesung Live – Foto credits: Stadtbibliothek Rostock

Im Dezember 2019 wurde ich in die Rostocker Stadtbibliothek geschaltet – in meine Heimatstadt. Während der Veranstaltung, die im Rahmen des Projekts „Kultur macht STARK“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung stattfand und vom Literaturhaus Rostock organisiert wurde, stellten die Schülerinnen und Schüler viele kluge und detaillierte Fragen, die ihr großes Interesse an der Auseinandersetzung mit der DDR zeigten.

Stadtbibliothek Rostock – Foto: Dorit Linke

Ein Hinweis für Internationale Schulen: Die Fach-Interviews sind auch auf Englisch möglich. Lesung auf Englisch werde ich demnächst ebenfalls anbieten, da „Jenseits der blauen Grenze“ zeitnah in den USA erscheinen wird.

Dorit Linke – Onlinelesung Live – Foto credits: Stadtbibliothek Rostock
Die Friedliche Revolution in Rostock – Foto: Roland Hartig, Rostock
Bornholmer Straße – Foto: Dorit Linke

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