Am Fähranleger auf der Isle of Arran. Ein Mann mit Rucksack steht rum und schaut Richtung Berge. Als ich an ihm vorbei will, spricht er mich an.
„Kann man hier wild zelten?“
Ein Deutscher!
„Ja“, sage ich, „jedoch nicht hier direkt, ist ein public place usw. Aber im Innern der Insel kümmert das niemanden.“
„Ich will länger bleiben, ist ja so schön.“
„Ja ja, ist nett.“
„Ich muss mich nämlich rar machen, die Polizei hat einen Preis auf meinen Kopf ausgesetzt.“
„Aha.“
„Es ist eine üble Geschichte.“
Ich bin sehr müde und inzwischen auch ein wenig übellaunig. „Klingt so.“
„Aber hier im Zelt werden die mich nicht finden.“
Vorausgesetzt, du erzählst es nicht allen.
„Damit geht nun ein Kindheitstraum in Erfüllung, ich wollte schon immer mal in Schottland zelten.“
„Ja, wunderbar.“ (ich muss weiter zur Fähre)
„Und wer weiß, was alles noch geschieht, vielleicht lerne ich hier ja jemanden nettes kennen? Ich bin 54 Jahre alt.“
Bloß weg jetzt. „Ja, sicher, hier rennen ja viele Touristen rum.“
„Obwohl ich keine guten Erfahrungen mit Frauen gemacht habe.“
„Tja.“
„Ich wäre nämlich beinah mal gestorben.“
Und er nimmt seine Mütze ab, zeigt auf eine lange Narbe: „Meine Exfrau hat versucht, mich mit einer Weinflasche zu erschlagen.“
„Rot oder weiß?“
Er irritiert, ich schnell: „War nur Spaß. Aber ich muss dann mal!“
„Ich bin jetzt arbeitsunfähig!“
„Wie gesagt, ich muss los, die Fähre legt gleich ab.“
„Und ich muss mir auch noch ein neues Handy besorgen, mein altes hab ich weggeschmissen, damit man mich nicht orten kann.“
„Gute Idee, hätte ich auch so gemacht, das kennt man ja aus Filmen. Tschüss!“