Dorit Linke, Berliner Autorin

Jenseits der blauen Grenze und Fett Kohle

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“Wer Nazis war, bestimmen wir”

Rassismus und Rechtsextremismus sind ein tief liegendes Phänomen des Ostens und nicht Folge der Wiedervereinigung, wie oft und fahrlässig erzählt wird. Sie müssen daher auch nicht als Systemkritik überinterpretiert werden, sondern als das benannt werden, was sie sind: Rassismus und Rechtsextremismus.

Hier ein erhellender Beitrag zum Thema: Die DDR und ihre Neonazis: Real existierender Rechtsextremismus, Beitrag im Deutschlandfunk von Sabine Adler

Auszug:
Die DDR hatte sowohl ein Neonazi-Problem als auch eines mit Alt-Nazis, erkannte die Buch- und Filmautorin Freya Klier, die in ihrem Umfeld von immer mehr Personen mit einer braunen Vergangenheit erfuhr. Im Gegensatz zur offiziellen Lesart: “Alle Nazis waren im Westen und wir waren auf der Seite der sowjetischen Befreier. Dann lernte ich die ersten Freunde kennen, die mir still mitteilten, dass ihr Vater eigentlich Lehrer war und davor in der NSDAP. Der hatte es dann zu einer großen Parteikarriere in der DDR geschafft. Die Polizei wurde übernommen, also Mittelbau, Unterbau komplett. Es spielte dann schon bald keine Rolle mehr, wer was war vorher. Dann ging immer der Spruch rum: Wer Nazis war, bestimmen wir.“

Hier geht zum Beitrag des Deutschlandfunk

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“Jenseits der blauen Grenze” am Theater Anklam

Nach Rostock, Stendal und Gera bringt nun auch Anklam “Jenseits der blauen Grenze” auf die Bühne. Ich freue mich riesig darüber.

Premiere ist am 19.10.2019 um 19.30 Uhr. Ich kann leider nicht vor Ort sein, weil ich auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs bin, aber vielleicht schafft ihr es ja nach Anklam, macht ein paar Farbaufnahmen und berichtet mir?

Spielefassung von Julia Korrek

Jenseits der blauen Grenze
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Digitale Leseförderung

In Zeiten der Digitalisierung sind erprobte und zukunftssichere Methoden für die Vermittlung von Literatur und Lerninhalten wichtig.

Im Sinne der Leseförderung und der politischen Bildung müssen digitale Unterrichtsmodelle entwickelt, die Medienkompetenz junger Menschen gestärkt und sich mit Themen wie Urheberrecht und Cybermobbing auseinander gesetzt werden.

Ich freue mich sehr, Teil des Prozesses und dieses Projekts zu sein – gefördert von „Kultur macht STARK“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Vielen Dank an Katharina Lifson und das Literaturhaus Rostock.

Bisherige Ergebnisse der interaktiven Onlinelesungen

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Mich haben bei der Vorbereitung und dem Veranstalten der Onlinelesungen folgende Fragen interessiert:

Eignen sich Onlinelesungen für den Unterricht?

Bestätigen die Schüler*innen die gängige Annahme, dass diese Art der Inhaltsvermittlung eher distanziert ist?

Wie wichtig ist der Zielgruppe die reale Entfernung?

Spielt die Entfernung überhaupt eine Rolle, wenn während der Veranstaltung Interaktivität gegeben ist?

Ist ein intensiver Kontakt nur dann möglich, wenn Autoren persönlich in die Klasse kommen?

Lässt sich dieses moderne, digitale Konzept auch auf die Arbeit mit Zeitzeugen übertragen?

Wie möchten junge Menschen zukünftig lernen?

Die differenzierten Antworten zum Onlineformat überraschen, hier die einfache Zusammenfassung: Die Vorteile überwiegen auch bei einer sehr kritischen Betrachtung.

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Sie sind Lehrerin, Lehrer, Bibliothekarin, beschäftigen sich mit Leseförderung, fächerübergreifendem Unterricht und/oder politischer Bildung? Bei Interesse an den detaillierten Ergebnissen meiner Onlinelesungen bitte ich um Kontaktaufnahme über das unten stehende Formular.

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Kreative, kluge Ergebnisse – Schreibworkshop “Schule in der Diktatur”

Wie wirken sich diktatorische Systeme auf Menschen, auf ihr Denken und damit auf die Sprache aus?

Das war unter anderem Thema des Schreibworkshops „Schule in der Diktatur“, der Anfang September 2019 in einer Rostocker Schule stattgefunden hat und – angelehnt an den Roman „Jenseits der blauen Grenze“ – von der Flucht zweier Jugendlicher aus der DDR über die Ostsee erzählt.

Die Jugendlichen erarbeiteten Merkmale einer diktatorischen Sprache und diskutierten darüber, wie sich diese von der Sprache der Demokratie unterscheidet. Sie verfassten eigene Texte, wechselten Perspektiven und Zeitformen, verorteten Romanszenen in die heutige Zeit und untersuchten, wie sich diese in Sprache, Handlung und Gefühlen unterscheiden würden.

Sie äußerten ihre Eindrücke nach dem Lesen von Zeitzeugenberichten, versetzten sich in konkrete damalige Lebenssituationen und schrieben über ihre Gedanken und Empfindungen, die sie dabei hatten. Welche Jugendsprache wurde in den 80er Jahren in der DDR verwendet, welche Wörter finden wir heute noch in unserem Sprachgebrauch?

Wir behandelten das Thema Schule in der DDR, den Alltag der Menschen und ihre Erfahrungen in diesem System, sprachen dabei über Zensur und über die Schere im Kopf.

Herzlichen Dank an Dr. Katrin Möller-Funck (Kempowski-Archiv) und Juliane Foth (Literaturhaus Rostock) für die Möglichkeit, dass ich diesen Workshop gestalten und in meiner Heimatstadt Rostock durchführen konnte. Herzlichen Dank an die Lehrer*innen und Schüler*innen der Werkstatt-Schule Rostock für das Interesse an diesem Projekt und die tolle und inspirierende Zeit!

Die Jugendlichen ließen sich erstaunlich gut auf dieses doch recht schwere Thema ein, hatten oft überraschende Ideen und entwickelten diese weiter, wechselten die Perspektive, gingen sprachlich neue Wege und waren sehr offen für die Berichte von Zeitzeugen, die in unsere Arbeit eingeflossen sind. Das war für mich eine schöne Erfahrung. Danke dafür!

Nun lasse ich Bilder, Texte und Zitate der Jugendlichen sprechen.

Sie sind Lehrerin oder Lehrer und finden das Thema wichtig und interessant? Sie planen eine Projektwoche? Bitte kontaktieren Sie mich über dieses Formular.

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Eine Nacht, die alles veränderte

Rezension “Wir sehen uns im Westen”
von Janett Cernohuby 

“Auf gerade einmal 104 Seiten bringt Dorit Linke große Emotionen, Eindrücke und Erinnerungen unter. Ihr gelingt es, mit wenigen Worten einen kurzen, aber nachhallenden Abriss einer Epoche zu zeichnen. Ein Stück Zeitzeugnis zu schaffen, das uns diesem vergangenen Ereignis teilhaben lässt. Das Buch ist packend und mit großen Gefühlen geschrieben. Man scheint alles hautnah mitzuerleben. Es ist ein besonderes Talent, so große Emotionen mit so wenigen Worten ausdrücken zu können.”

“Dorit Linke nimmt uns in ihrem Buch mit auf eine Zeitreise zurück zu einem denkwürdigen Ereignis:  zum 9. November 1989. Ein Datum, das vielen Menschen in Erinnerung bleibt und welches ihr Leben massiv verändern sollte. Denn an jenem 9. November wurde die so streng bewachte Grenze zwischen den beiden deutschen Ländern geöffnet. Wie hat sich das damals angefühlt? Was ging in den Köpfen der Menschen vor? In den Köpfen jener Menschen, die in Berlin an der Bornholmer Straße standen und jenen, die zuhause vor dem Fernseher saßen?”

Hier geht es zur vollständigen Rezension.

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Premierenlesung “Wir sehen uns im Westen”

Am 28. August fanden sich mehrere Klassen aus Tempelhof im Literaturhaus Berlin zur Premierenlesung aus “Wir sehen uns im Westen” ein – und das bei über 30 Grad im Schatten!

“Wir sehen uns im Westen”
von Dorit Linke, erschienen im Carlsen Verlag

Es war toll, in diesem schönen Haus zu lesen und das Interesse der Schülerinnen und Schüler am Zeitgeschehen zu erfahren. Wir sprachen über die Teilung von Berlin, über die “Geisterbahnhöfe”, über Punks im Osten und über die gute Entscheidung mancher Menschen, in der Nacht vom 9. November 1989 wach geblieben und auf die Straße gegangen zu sein.

Stefanie Ericke-Keidtel vom Jungen Literaturhaus hat die Veranstaltung organisiert und einen wunderbaren Rahmen dafür bereitet; die Autorin und Journalistin Kathrin Köller moderierte die Lesung und führte die Jugendlichen in die Thematik ein. Wir alle erlebten einen spannenden und lebendigen Vormittag, sprachen über den Mauerfall und darüber, wie ihn die Menschen erlebt hatten.

Neugierig auf das Buch? Na dann: hier klicken

Und wie ging die ganze Sache aus? Mein Bruder Bert, der extra zur Premierenlesung von Stralsund nach Berlin gekommen ist, hat auf dem Rückweg spontan ein paar Hiker mitgenommen und diese nach Szczecin gefahren. Es gibt sie, die guten Menschen.

Wir sehen uns also im Osten, Bruderherz. Am Ende dann doch, denn da gehören wir hin.

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“Umkämpfte Zone” unter den 10 besten Sachbüchern im September

Aus gegebenem Anlass möchte ich euch erneut auf meine Buchempfehlung aus dem Monat März aufmerksam machen:

Ines Geipels “Umkämpfte Zone – Mein Bruder, der Osten und der Hass”
ist unter den 10 besten Sachbüchern des Deutschlandfunk Kultur, ZDF und „Die Zeit“ im Monat September.

Meines Erachtens das Buch der Stunde (bzw. der nächsten Jahre) zum Osten. Unbedingt lesen.

Ines Geipel ist als Person und mit ihrer Arbeit sehr überzeugend, daher hier ein interessantes TV-Interview.

Hier meine Rezension aus März 2019.

Buch kaufen: Klett-Cotta-Verlag

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Sprechen wir über Revolution

von Dorit Linke

Laut Sonntagsumfrage liegt die AfD im Osten vorn.
Unfassbar? Natürlich.
Kopf in den Sand? Niemals.

Mein Artikel “Sprechen wir über Revolution” ist im Moritz Magazin der Uni Greifswald im Mai 2019 erschienen

Wie jeden Morgen stellte er drei Teller auf den Tisch. Für Noah, für Elisa, für sich. Er goss Kaffee in einen Becher und griff nach dem Monatsblatt. Nr. 12 in 2035. Auf der ersten Seite der aktuelle Leitspruch: »Kinderkriegen ist keine Privatsache«, darunter Ausführungen zu den geplanten Geburtenraten. Er ließ das Blatt wieder sinken. Er konnte vieles ertragen, aber das nicht.

Wie sehr hatte sie gelitten, unter den Gesprächen mit dem Arzt, den penetranten Fragen. Sie hatte doch bereits ein Kind zur Welt gebracht, wieso tat sie sich mit dem zweiten so schwer? Er kippte Milch in den Kaffee, zitterte dabei, Tropfen zerplatzten auf dem Tisch. Fröhliches Vogelgezwitscher im Innenhof, ungewöhnlich, mitten im Winter. Elisa hatte diese Gespräche ertragen, sich mit Arbeit abgelenkt, sechzig Stunden die Woche. Weil ihnen das zugute gekommen war, hatte er sie nicht davon abgehalten. Sie brauchten das Geld, denn das Steuersystem änderte sich jedes Jahr, war unzuverlässig. Sie konnten nicht planen, schufteten wie blöd und fuhren nicht mehr in den Urlaub.

Er hielt das Monatsblatt dichter vor sein Gesicht. »Sonnenaufgang in Heringsdorf«, stand als einziges Stück auf dem Programm des Stadttheaters. Die günstigste Karte kostete hundertachtzig Neue Mark. Kultur musste ökonomisch sein, warum auch nicht. Shakespeare war out, was ihn nicht störte, schließlich hat er mit Hamlet und Co. noch nie was anfangen können.

Der Kaffee schmeckte etwas bitter. Werbung für Whisky aus der Lausitz, angeblich so gut wie schottischer Single Malt. Die hatten Humor. Es schüttelte ihn, und erneut dachte er an Elisa. Plötzlich war es schnell gegangen, erst das Burnout, das neuerdings »Simu-SD« hieß, die Abkürzung für Simulantensyndrom, dann der Alkohol, die Tabletten, die manischen Schübe. Nächtelanges Toben in ihrer Wohnung in der Großen Parower, aus der sie später raus mussten. Im Hanseklinikum kam Elisa an ein Messer und verletzte eine Krankenschwester. »Gefahr für sich und für Andere«, befand der Arzt. Sicherheitsverwahrung in Prora, auf unbestimmte Zeit.

Wie konnte so etwas möglich sein? Er dachte an Binz, an 2009, an das Beachvolleyball-Turnier am Ostseestrand. Elisa war Dresdnerin und nach dem Studium in den Norden gezogen. Er hatte bereits eine Ehe hinter sich, die kinderlos geblieben war, zum Glück. Das war unter diesen Umständen ein Segen.

Werbung für eine Schokoladenmarke, die Noah immer gern gegessen hatte. Dumpfes Gefühl im Magen. Nicht. An. Noah. Denken.

Er atmete tief ein, stand auf und nahm eine Scheibe Brot aus dem Regal. Keine Butter im Kühlschrank. Ratlos starrte er in das kühle Nichts, bevor er die Tür wieder zudrückte. Der einzige Laden, der Produkte offline anbot, war vier Kilometer entfernt. Er hatte keine Lust, stundenlang durch eiskaltes Wasser zu waten. Seinen schwulen Nachbarn konnte er nicht um Butter bitten, der öffnete niemandem mehr die Tür, misstraute allen.

Natürlich konnte er die Butter online bestellen, doch da Elisa noch immer in Verwahrung war, gehörte er zu den Suspekten, wurde kontrolliert. Er machte nur ungern etwas online. Ein Absolvent der Universität Rostock hatte ihm auf behördliche Anordnung hin eine App auf seinem Touchphone installiert, die ihn und seine Umgebung filmte, sobald er das Ding anstellte. Und er war verpflichtet, das zu tun, für mindestens zwölf Stunden am Tag, wobei die Zeit von Mitternacht bis morgens um sechs nicht mitzählte. Klebte er die Linse zu oder ließ das Phone offline (hatte er schon versucht, stand auch als fettes No-Go in den FAQ), schalteten sich Strom, Wasser und Heizung in der Wohnung automatisch ab.

Das Startup »KeDatSich« (»Keine Datensicherheit für Täter«) hatte mit dieser Innovation 2031 den Gründerwettbewerb der mittlerweile verstaatlichten UP-Bank gewonnen und sich zum reichsten Unternehmen des Landes entwickelt. Täglich wurde er von sich unvermittelt öffnenden Bubbles gezwungen, die App zu bewerten. Er vergab immer acht Sonnen, dann hatte er seine Ruhe. Waren es weniger, musste er begründen, warum er mit der Dienstleistung unzufrieden war.

Er brach ein Stück Brot ab, kaute darauf herum. Inzwischen war sein Becher leer, und er hatte ziemlich schlechte Laune. Im Kulturteil eine Aufforderung des Kultusministeriums an alle Privatschulen: So wie für die staatlichen Schulen bereits durchgesetzt, sollten im kommenden Jahr die Themen »Nationalsozialismus« und »Mauerfall« vom Lehrplan entfernt werden, schließlich war dieser, Zitat: »… einer positiven Darstellung der Heimat verpflichtet«. Unwillkürlich schüttelte er den Kopf. Wieso denn der Mauerfall? Vielleicht sollte niemand mehr an die erfolgreiche Revolution der Ostdeutschen erinnert werden. Was einmal gelungen war, konnte schließlich auch ein zweites Mal gelingen.

Was hatte Noah gesagt, kurz bevor er abgehauen war?

»Ihr habt es 1989 im Osten doch geschafft! Ihr habt für eure Freiheit gekämpft und ein ganzes System gestürzt. Wieso habt ihr euch wieder alles wegnehmen lassen? Wieso habt ihr euch wieder für eine Diktatur entschieden?«

Ihm kamen die Tränen, nun doch. Nachdem Elisa fort war, sprayte Noah jede Nacht die Häuserwände mit radikalen Zeichen voll, erst hier im völlig verarmten Andershof und später in der noblen Altstadt, wo die Leute wohnten, die ihm das alles eingebrockt hatten. 2030 kam Noah wegen Sachbeschädigung ins Gefängnis, mit gerade mal elf Jahren. Als er wieder draußen war, war er ihm völlig fremd, der eigene Sohn. Keine Worte mehr, nur noch Schweigen. Mit fünfzehn packte Noah seine Sachen und haute ab. Nachdem er wochenlang verschwunden war, wurde er offiziell ausgebürgert, lebte nun als Staatenloser oben im Norden, irgendwo an einem Fjord, am Wasser. Ihm fiel wieder ein, was er vorhin auf AL2 gehört und noch nicht verinnerlicht hatte: Der Meeresspiegel war erneut gestiegen, Grund dafür war die nun ständige, sehr geringe Entfernung des Mondes zur Erde.

Sein rechtes Bein zitterte, er spürte, wie sein Puls schneller wurde. Hielten die ihn wirklich für so bescheuert? Vielleicht war er das ja. Schließlich hätte er all das kommen sehen können. Die Ausbürgerung von Kriminellen war schon immer Programmpunkt gewesen, am Anfang ausschließlich für Nicht-Deutsche, doch mittlerweile wurde der Passus auf alle Bürger angewendet. Und dieser Kinderwahn, der Elisa aus der Bahn geworfen hatte. Die Abschaffung der Rente! All das stand im Wahlprogramm! Kinder in den Knast, schwarz auf weiß! Er hätte es nur lesen müssen. Hätte sie nur beim Wort nehmen müssen! Stattdessen musste er, der ehemalige Geografielehrer, sich diesen Quatsch über den Mond und andere abstruse Erklärungen für den menschengemachten Klimawandel anhören, obwohl er an der Uni Greifswald eine sehr gute Ausbildung genossen hatte.

Doch was sollte er machen? Jetzt saß er da. Allein, mit trocken Brot. Mit einem schwulen, paranoiden Nachbarn, der sich tot stellte. Und wenn er nicht sofort, in diesem Augenblick, sein Touchphone anmachte, würde er zu frieren beginnen.

Für wen sollte das hier eigentlich alles gut sein? Nicht für ihn, nicht für Elisa. Nicht für Noah. Nicht für die Menschen, die er mal gekannt hatte.

Er wusste nicht mehr, warum er sein verdammtes Kreuz an der falschen Stelle gemacht hatte. Damals. Doch er wusste jetzt und hier, dass es falsch gewesen war. Das Kreuz war falsch gewesen, denn alles, was ihm jemals etwas bedeutet hatte, war weg.

Es war weg und kam nicht wieder.

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Mein schottisches Leben

Als Kind schon hatte ich mich in Schottland verliebt, in diese geheimnisvolle, raue Region am nordwestlichen Rand von Europa.

Meine späteren Reisen und das Kennenlernen dieses Landes verstärkten die Sehnsucht so sehr, dass ich nach Glasgow ziehen musste. Eine Weile habe ich dort gelebt, habe in einem Industriepark zwischen Glasgow und Edinburgh gearbeitet, an den Wochenenden das Land erkundet und Freunde gefunden.

Nachwievor bin ich oft in meiner Wahlheimat unterwegs. Seltsamerweise habe ich meine Liebe zu Schottland nie in Worte gefasst. Daher zeige ich euch nun Fotos, die mit den Jahren entstanden sind.

Ich wandere gern im Winter. Der aufregendste Moment? Wenn der Bus an einer einsamen Straße mitten in den Highlands hält, es noch dunkel ist und ich die Einzige bin, die aussteigt. Mit einem Pfeiffen schließt sich hinter mir die Bustür. Ich bin allein. Es ist kalt, klar. In der blaugrauen Dämmerung gehe ich den Berg hinauf. Der starke Wind beißt ins Gesicht, reißt mir die flatternde Kapuze vom Kopf, das Eis, das den Wanderweg bedeckt, bricht leise unter meinem Schuh. Der erfüllendste Moment? Wenn ich in der Höhe bin, sich die Morgensonne langsam über den Berg schiebt und die Landschaft offenbar wird. Es gibt sie, die Wunder. Auch ohne Worte.

Highlands, Bridge of Orchy

Glasgow

Isle of Skye

Edinburgh

Ben Nevis

Isle of Arran

Ben Lomond

The banks of Loch Lomond

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“Jenseits der blauen Grenze” am Theater in Gera

“Jenseits der blauen Grenze” wird im 30. Jahr des Mauerfalls nun auch in Gera aufgeführt – als Puppentheater. Ich bin sehr gespannt!

Die Premiere ist am 9. November 2019. Weitere Aufführungen finden statt am 14., 16. und 23. November.

https://theater-altenburg-gera.de/stuecke-konzerte/jenseits-der-blauen-grenze-1010/

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